| Eine ganz lange Reise
von Oskar Maria Löbbert
Wie schwierig die Entwicklung einer neuen Tourismusmarke ist,
die zugleich Dachmarke sein soll ist, zeigt das Beispiel NAUKLUFT-
experience.com. Die Agentur brandcube begleitet die Gäste-farmer
von Ababis und BüllsPort auf der Suche
nach ihrer Identität.
Rund 15 touristische Destinationen gibt es in Namibia. Dazu
kommen über 800 Beherbergungsbetriebe unterschiedlichster
Güte und Qualität die mit eigenen „Marken-Auftritten“
versuchen, sich im namibischen Tourismus zu positionieren.
So auch in der bislang nicht als eigenständig wahrgenommenen
Tourismusmarke Naukluft. Bisher warben die 12 Beherbergungs-betriebe
im Naukluftgebiet mit ihren eigenen Namen und einer Vielzahl
von unkoordinierten Werbe- und PR-Maßnahmen für
ihre Gästebetriebe.
Was den Anbietern fehlt, ist ein Dach, das all diese Angebote
„beheimatet“, das dem Kunden die Möglichkeit
der Wieder-erkennung gibt und sich von der Konkurrenz abhebt.
„Wenn jeder einzeln für sich Werbung macht, steckt
keine Kraft dahinter“, stellt Kathrin Schulze Neuhoff
fest. Sie leitet seit dem Jahr 2001 zusammen mit ihrem Mann
die Gästefarm Ababis am Fuße des Nauluft-Massivs.
Gemeinsam mit der Gästefarm
BüllsPort wurden 2003 die Weichen für die Entwicklung
einer Dachmarke des Naukluft-Tourismus gestellt: NAUKLUFT-experience.com.
Ein langer Prozess nahm seinen Anfang.
Die Windhoek / Münchener Agentur brandcube wurde im Mai
2004 zu einer Präsentation eingeladen. Sie konnte zwar
einige Betriebe von der Dringlichkeit einer gemeinsamen Aktion
überzeugen, scheiterte aber letztendlich an den beträchtlichen
Kosten. Lediglich Ababis und BüllsPort
waren bereit, die finanziellen Mittel aufzubringen um die
Initiative zu starten. Diese Gruppe trifft sich seitdem regelmäßig.
„Der Aufwand wird oft unterschätzt“ warnt
die Agentur. Wöchentlich standen Workshops in der Agentur
auf dem Plan. Deren Ergebnisse werden per E-Mail an die Gästebetriebe
weitergegeben. Es gab und gibt auf den Farmen und im Windhoeker
Büro viele Gespräche mit den Auftraggebern.
Zuerst ging es um die Prüfung des Ist-Zustands und der
Konkurrenz. Was ist das unverwechselbare an der Naukluft?
Welches Markenzeichen, welcher Markenprozess steht für
einen Aufbruch? Es soll nicht nur abbilden, was es ohnehin
schon gibt, sondern es soll auch eine Vision hergestellt werden.
Durch Konzentration auf das Wesentliche werden Emotionen geweckt.
Bilder unterstützen dieses Gefühl und wirken dabei
als Impuls-geber. Zentrale Schlüsselbegriffe für
die Gäste-Farmer von Naukluftexperiemce.com sind Gastlichkeit
und Kinderfreundlichkeit.
Neben der klaren, eindeutigen Positionierung ist die Agentur
auch eine Verfechterin des integrierten Marketings. Alle werblichen
Maßnahmen sollen sich gegenseitig noch verstärken.
Weitere wichtige Aspekte sind zudem Zuverlässigkeit und
Echtheit. „Erfolg ist an Glaubwürdigkeit gekoppelt“,
stellt Ernst Sauber, Farmer auf BüllsPort und Sprecher
der Marketing-Gemeinschaft NAUKLUFT-experience.com fest.
Daß die Naukluft ein Wandereldorado ist, liegt auf
der Hand und ist bis jetzt als Insidertipp bekannt. Nun geht
es aber auch um Visionen und eine entstand aus der Erkenntnis
der Gäste-Farmer: Ohne qualifizierte Mitarbeiter gibt
es kein Wachstum im namibischen Tourismus. Da die Entwicklung
des Tourismus als Grundlage für wirtschaftliches Wachstum
und die Schaffung neuer Arbeitsplätze angesehen wird,
werden verstärkt Arbeitskräfte für den Einsatz
im Tourismussektor ausgebildet. Ein Projekt vor diesem Hintergrund
ist eine Zusammenarbeit mit Wolwedans / NamibRand Nature Reserve
und Gondwana Cayon Park, in deren Rahmen 14 Namibier 2005
zu Reiseleitern ausgebildet werden sollen. Durch die Ausbildung
der angehenden Guides sollen langfristig nicht nur Fach- sondern
auch Sprachkenntnisse vermittelt werden. Andererseits soll
das Projekt auch medien-wirksam eingesetzt werden: So sollen
die zukünftigen Reiseleiter auch während verschiedener
Messen über ihre Erwartungen an dieses in Namibia einzigartige
Ausbildungsprojekt berichten.
Darüber hinaus soll in Zusammen Arbeit mit der Hardap-Region
eine Tourguide-Ausbildung in Nabaseb gestartet werden. Eine
weitere Ausbildungs-Initiative ist die Einrichtung einer Trocken-mauerbau-Schule.
Hier sollen die Schüler das traditionelle Handwerk des
Trockenmauerbaus erlernen und später als selbständige
Unternehmer dieses Handwerk ausüben. Wanderwege, Stützmauern
im Naukluft-Massiv und komplette Wohnhäuser z.B. in Nabaseb
können in dieser Technik kosten-günstig erstellt
werden. Die Farmer von NAUKLUFT-experience sind bereit, für
eine gewisse Zeit eine Beschäftigungs-garantie zu geben.
Und zum Schluß: die in der AZ im November 2004 veröffentliche
Kontroverse wegen der Herkunft des Namens „Naukluft“
hat in Namibia ein breites Echo ausgelöst. Durch die
Reaktionen von Prof.Dr.W.Haacke und Dr.Kuno F.Budack die am
17.Nov. und am xxNov. in der Allgemeinen Zeitung veröffentlicht
wurden, scheint der Dissens einen vorläufigen Abschluss
gefunden zu haben. Der Verlauf der gesamten Auseinandersetzung
ist in der Homepage von www.naukluft-experience.com veröffentlicht.
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