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Kontroverse 15/10

Naukluft-Marketingkonzept führt zur Kontroverse

Als die Gästefarmer von Ababis und BüllsPort im Juni 2004 die Windhoek/Münchener Agentur brandcube beauftragten eine Marketingkonzeption für das Tsondab-Tal im Naukluft-Massiv zu entwickeln, ahnten sie nicht welch umfangreiche Diskussionen sie erwarteten. Bis sich zwei junge Wissenschaftlerrinnen von der TU Braunschweig in die Diskussion einschalteten.


Das von dem Münchener Architekten Peter Kunze entworfene Logo NAUKLUFT-experience fand schnell die Zustimmung aller Partner. Als die Agentur aber dann den folgenden Text für die geplante Website vorschlug, schlugen die Wellen hoch. Die Frage nach der Entwicklungsgeschichte des Namens Naukluft wurde besonders spannend, weil unterschiedliche Erklärungsversuche vorlagen:

„Namensgebend für das Naukluftgebirge ist die über 40km lange von Süd nach Nord verlaufende durchfahbare Schlucht durch die der Tsondab, ein Trockenrivier, vor mehr als 300 Millionen Jahren sein Bett gegraben hat.“

.Die Naukluft-Farmer vertraten hingegen die im Volksmund übliche afrikaanse Interpretation von Naukluft: naau kloof = eine enge Schlucht, die der Quelle Neu-Onis gegenüber liegt und den Haupteingang zum Massiv darstellen soll. Sie bezogen sich dabei auf eine Beschreibung, die der Kolonialoffizier Hauptmann von Estorff in seinen Memoiren hinterlassen hatte.

„ ... führte ein Weg zur Wasserstelle, welche dem Haupteingang des Gebirgsstocks gegenüber lag. Von der engen Kluft, die hier den Eingang bildete, hatte der ganze Gebirgsstock den Namen erhalten: Naukluft.“

Der Leiter des Windhoeker Büros von brand³, der schon 2003 ein Buch über die Naukluft veröffentlicht hatte, versuchte nun mit Hilfe folgender Zitate die Gästefarmer von Richtigkeit der „Namensgebung“ zu überzeugen.


Schon James Alexander, der 1834 das Naukluft-Massiv von Büllsport nach Ababis durchquerte, bezeichnete Bullsport oder Bullsmouth nicht als einen Punkt, sondern als Talenge von mehreren Tagesreisen.

F.J.von Bülow schreibt in seinem 1896 erschienen Buch „Drei Jahre im Lande Hendrik Witboois“, dass den Deutschen dieses Gebirge gänzlich unbekannt war und „Über die Länge dieses Thales, welches sich im Zickzack mit allgemein südöstlicher Richtung durch das Felsengebirge drängte, wusste Niemand etwas Näheres zu anzugeben.“

Eindeutiger ist da schon das Deutsche Kolonialelexikon
von 1920. Band II, S. 621

„ Die Naukluft ist nicht eine Kluft, sondern ein ungemein wilder Gebirgsstock, der als letzter Ausläufer der zentralen Erhebungsmassen ....“

Diesen Text hatte der Geographie Professor Karl Dove für das Lexikon verfasst. Dove hat lange Jahre im damaligen Deutsch Südwest als Regierungs-Geograph gearbeitet.

Ein weiteres Zitat lieferte der Geologie Professor Hans Cloos finden, der 1936 vier Wochen lang seine Schüler Hermann Korn und Henno Martin in der Naukluft besuchte, die hier für ihre Promotion arbeiteten. Säter berichtet Cloos über seine Reise durch Namibia in seinem Buch „Gespräch mit der Erde“ (Piper Verlag München, 1949, Seite 308) folgendes schrieb:

„Das Naukluftgebirge, dem die nächsten Wochen galten, liegt auf der Steppe wie eine rechteckige Grabplatte, oben flach, an den Seiten steil und fast sechshundert Meter dick. Doch ist die Platte quer durchgespalten. der engen Kluft (>Nauw kluft< [kloof] ) folgt der Tsondab und schafft in nassen Zeiten Regenfluten der etwas feuchteren Ostseite nach Westen auf die blanke Wüste hinaus.“

Korn und Martin die sich ja mehrere Jahre im Naukluft- Massiv aufgehalten haben, haben sich, soweit bekannt, nie schriftlich zur Interpretation der Bezeichnung „Naukluft“ geäußert. Übrigens: die Reisekosten für die Nauklufexpedition von Korn und Martin stammten aus privaten Quellen. “Für einen sehr namhaften Betrag sind wir Frau Dr. Lina Oetker aus Bielefeld besonders dankbar.“ schrieben die jungen Wissenschaftler damals.

Wenn man nun noch ein geologisches Wörterbuch (Murawski / Meyer: Geologisches Wörterbuch, Stuttgart 1988) hinzuzieht, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass man Kloof nicht mit Kulft übersetzen kann und etwas anderes ist als eine Schlucht.

„Kluft:, f., feine, nicht oder nur wenig geöffnete Gesteinsfuge, an der keine wesentliche Bewegung stattgefunden hat. Sie entwickelt sich zur Spalte, wenn die beiden Klufftflächen breiter auseinaderklaffen.“

Das gesamte Naukluft Massiv besteht hauptsächlich aus geklüfteten und verkarsteten Dolomiten und Kalksteinen der Damar-Sequenz, welche den so genannten Nappe Komplex darstellen.

Als eine Schlucht [afrikaans = Kloof] hingegen bezeichnen Geologen ein “tief eingeschnittenes Erosionstal.“ und eben dieses ist das Tsondabtal.

„Tal, ... vorwiegend durch Erosion gebildet, mehr oder weniger schmaler und tiefer Einschnitt in die Erdoberfläche mit generell gleichsinnigen Sohlengefälle. Als eigentliche Erosionstäler sind zu betrachten: Klamm, Schlucht, Canyon und als Abzugskanal eines Wildbaches oder Tobel.“

Vor ca. 300 Millionen Jahren ließ die permokarbone Vereisung ein großes Quertal durch das Naukluft-Massiv entstehen, dessen Sedimentverfüllung später wieder ausgeräumt wurde und das heute den Oberlauf des Tsondab enthält. Das Massiv selber wird dem Präkambrium zugeschrieben und zählt zu den kompliziertesten geologischen Gebilden Namibias. (zitiert nach Helga Besler, in: Namibia, Hüser, Klaus (Hrsg.), Eine Landschaft in Bilder, Göttingen 2001, Seite100.

Die Entwässerung des Gebirges erfolgte früher in einem Ur-Tsondab nach Südost (SE), also in Richtung BüllsPort; hohe Terrassen führen noch im SE-Teil des Gebirges Grundgebirgsgerölle aus Nordwest. Heute durchbricht der Tsondab, aus dem Südöstlichen-Vorland kommend, das ganze Gebirge in entgegengesetzter Richtung, also nach Ababis hin, und versiegt schließlich zwischen den Dünen der Küstenabdachung. (zitiert nach Closs, 1937)

Die beiden oben erwähnten Braunschweiger Wissenschaftlerinnen waren im Frühjahr 2004 im Naukluft Gebiet unterwegs, um Material für ihre Arbeit zu folgendem Thema zu sammeln: „Die natürlichen Grundwasseraustritte in der Naukluft und ihrer Umgebung (Namibia): hydrologische Situation und ökologische Bewertung .“
Dabei hatten sie sich auf die im Volksmund bekannte Interpretation von Naukluft verlassen.

Mehr oder weniger zufällig haben sie beim surfen die Webpage www.naukluft-experience.com entdeckt und mailten nach der Lektüre der Page umgehend nach Namibia: „Uns gefällt die Seite gut ... Da ist aber noch ein grober Fehler: Das Tsondab-Rivier trennt die Naukluft ... und ist nicht namensgebend! Denn naukloof bedeutet ENGE Schlucht, und bezeichnet die engen Schluchten der Naukluft ...““.

Da nun zu befürchten steht, dass sich noch weitere „Namibia-Autoritäten“ bei NAUKLUFT-experience melden werden um auf den vermeintlichen Fehler hinzuweisen, haben sich die Gästefarmer und die Agentur brand³ entschlossen „Gutachten“ anfertigen zu lassen.

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Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der „Gutachten“. Natürlich sind auch alle historisch interessierten Namibier eingeladen, zu den aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen.

 

 
   
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